Vally Finke – Über mich

1963 bin ich geboren in Bad Harzburg und dann in Hamburg unter nicht immer den einfachsten Bedingungen groß geworden. Ich habe ich früh lernen müssen, auf eigenen Füßen zu stehen und mich durchzusetzen, wenn ich mein Ziel erreichen möchte.

In Hamburg bin ich am Osdorfer Born aufgewachsen. Für meine Eltern, meine beiden Brüder und für mich war die 3 Zimmer-Wohnung mit Terrasse und Garten purer Luxus, für andere war das Viertel ein sozialer Brennpunkt.

Meine Eltern hatten nicht das genügende Selbstbewusstsein, mich auf das Gymnasium zu schicken. Arbeiterkinder gehen nicht aufs Gymnasium. Meine Eltern waren unsicher, finanziell und gesellschaftlich mithalten zu können.

Als in der sechsten Klasse der Wechsel zur Haupt- oder Realschule anstand, hatte ich bereits gelernt, dass ich mich besser nicht darauf verlasse, dass die Erwachsenen das Beste für mich entscheiden, sondern habe nicht mehr nachgelassen und solange mit meinen Eltern diskutiert, bis sie mir die Erlaubnis gegeben haben zur Realschule zu gehen.

Ich muss für meine Eltern eine wirkliche Herausforderung gewesen sein. Allerdings ist meine Mutter hieran auch nicht so ganz unschuldig. Sie war Zeit ihres Lebens Wand- u. Bodenkosmetikerin (Reinigungskraft), wie sie immer gesagt hat, aber darin so fleißig, dass sie teilweise mit ihren 3-4 Stellen mehr verdient hat, als mein Vater. Wenn sie sich in den Kopf gesetzt hatte, dass eine Wand tapeziert oder gestrichen werden muss, Bilder angebracht oder anderes und mein Vater sich geweigert hat dies zu tun, dann hat sie selbst die Tapeten abgerissen und neu tapeziert. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie sie irgendwann mit der Bohrmaschine im Flur stand und sich die Gebrauchsanweisung durchgelesen hat. Das Loch wurde gebohrt, der Haken angebracht und das Bild aufgehängt mit den Worten, so schwer war das gar nicht.

Diese handwerklich nicht so unbegabte Mutter, hat mich dazu gebracht, dass ich mir zum Ende der Schulzeit, in den Kopf gesetzt hatte, einen handwerklichen Beruf zu ergreifen. Der Satz des Berufsberaters: „Da haben Männer schon Schwierigkeiten, da werden sie nie etwas finden.“, hat mich damals nicht abgeschreckt, sondern nur noch mehr angespornt. Ich hatte damals tatsächlich einen Ausbildungsplatz zur Kfz-Mechanikerin gefunden. Die damalige Gleichberechtigungs- und Bildungspolitik der Hamburger SPD hat nicht unwesentlich dazu beigetragen.

Ich habe gelernt, mich durchzusetzen und meine Ziele selbstbewusst zu verfolgen, denn wie wir wissen, kommen „brave Mädchen in den Himmel, die anderen kommen überall hin“.

Kfz-Mechanikerin bin ich nicht geworden. Kurz vor der Zwischenprüfung habe ich die Ausbildung abgebrochen und habe die Fachschule für Sozialpädagogik besucht. Dank der Bildungspolitik der Hamburger SPD, die dafür gesorgt hat, dass Schule durchlässig ist, war es mir möglich, ohne Abitur Sozialpädagogik zu studieren. Während des Studiums war ich in der Umwelt- und Friedensbewegung aktiv. Die Sorge, dass wir unsere Welt zu Grunde richten und den folgenden Generationen die Lebensgrundlage entziehen, war damals bereits in Teilen der Gesellschaft vorhanden und hat letzten Endes zur Gründung der Partei „Die Grünen“ geführt.

Die Geburt meiner Tochter 1988, das Studium und die spätere Jobsuche, haben dazu geführt, dass sich mein Handeln darauf beschränkt hat, vom Sofa aus mitzumischen und mich über die „unfähigen“ Politiker*innen aufzuregen, bis meine Enkelkinder zur Welt gekommen sind und zeitgleich die fridays for future Bewegung regelmäßig auf die Straße geht. Zu diesem Zeitpunkt ist mir klargeworden, dass auch ich nun handeln möchte und muss. Nachdem meine Familie mir signalisiert hat, dass sie dies erstens verstehen kann und zweitens mein Mann mir zugesichert hat, dass er mich darin unterstützt, habe ich mich entschieden, für die SPD zu kandidieren.

Meine Entscheidung für die SPD ist eine Herzens-Entscheidung. Ich bin davon überzeugt, dass nur mit der SPD eine gesellschaftliche Veränderung, wie sie uns bevorsteht, sozialgerecht möglich ist.

Es ist nicht immer einfach mit der SPD, nicht alles von dem, was die SPD in der Vergangenheit politisch umgesetzt hat oder daran beteiligt war, ist richtig. Trotzdem ist sie die Partei, die ich für den Erhalt unserer Demokratie und für die Erreichung der Klimaziele für entscheidend halte.

Dafür habe ich das geschrieben – weil es deutlich macht wer ich bin. Ich bin für manche unbequem, für viele aber solidarisch, konsequent, durchsetzungsfähig und zielorientiert.

Mit mir wählen sie eine Frau, die sich auch widersetzen kann, die sich an ihren Zielen orientiert und diese, auch über Parteigrenzen hinweg, umsetzen möchte.

Die Straße für alle. Bild: Rüdiger Schön